Wim Crouwels Vormgevers von 1968 ist eines dieser Museumsplakate, an denen sich zeigen lässt, wie nüchtern eine Druckfläche sein kann, ohne trocken zu wirken. Das Stedelijk Museum Amsterdam führt das Werk schlicht als Vormgevers, mit Produktionsdatum 1968, dem Material „poster, offset“ und Maßen von 95 × 63,3 cm. Im Zürcher eMuseum erscheint dasselbe Objekt mit dem ausführlicheren Ausstellungstitel Stedelijk Museum Amsterdam - 5 April t/s 23 juni 1968 - vorm gevers, ebenfalls 1968, mit Wim Crouwel als Gestalter, dem Stedelijk als Auftraggeber und der Stadsdrukkerij van Amsterdam als Druckerei.
Ein Ausstellungsplakat, das fast nur aus Ordnung besteht
Schon die beiden Sammlungsseiten sagen viel über das Objekt. Beim Stedelijk steht die reduzierte Werkbeschreibung im Vordergrund: Poster, Offset, 1968. Das Zürcher eMuseum ergänzt die Produktionskette mit Museum und Druckerei. Gerade diese Sachlichkeit ist für Reetro interessant, weil sie dem Plakat nicht die Wirkung nimmt, sondern sie erklärt: Es will keine malerische Geste sein, sondern eine präzise Informationsfläche für eine Ausstellung im Museumskontext.
Warum 1968 genau in Crouwels Museumsphase fällt
Wikipedia hält fest, dass Crouwel 1963 Mitgründer von Total Design war und ab 1964 für die Gestaltung der Kataloge, Poster und Ausstellungen des Stedelijk Museum verantwortlich wurde. Die Sekundärquelle Dutch Graphic Roots beschreibt seine Sprache für das Stedelijk als nüchtern, ordnend und systematisch. Genau darum wirkt Vormgevers heute noch so gegenwärtig: Das Plakat gehört nicht nur zu einer einzelnen Ausstellung, sondern zu einem größeren Versuch, dem Museum eine konsistente, moderne Drucksprache zu geben.
Offsetdruck statt Aura
Beide Museumseinträge nennen den Offsetdruck ausdrücklich. Das ist mehr als ein technisches Detail. Der Reiz dieses Plakats liegt gerade darin, dass die visuelle Spannung nicht aus handwerklicher Expressivität kommt, sondern aus Setzung, Raster, Maß und Typografie. Auch die leicht unterschiedlichen Maßangaben — 95 × 63,3 cm beim Stedelijk, 95,5 × 63,5 cm im Zürcher eMuseum — machen deutlich, dass wir es mit einem konkreten Gebrauchsobjekt aus der Ausstellungspraxis zu tun haben, nicht mit einer bloßen Bildidee.
Warum das für Reetro interessant bleibt
Viele historische Plakate wirken heute wegen ihres Sujets. Vormgevers wirkt eher wegen seiner Haltung. Die Information wird nicht dekoriert, sondern in Form gebracht. Darin liegt seine Nähe zu heutigen Wänden: Wer solche ruhigen, systematischen Druckbilder mag, landet oft auch bei reduzierten Postern oder klarer gerahmter Kunst, die mit Fläche, Rhythmus und Typo-Ruhe arbeiten statt mit bloßer Lautstärke.