Kartell wurde 1949 in Noviglio bei Mailand gegründet und revolutionierte mit Kunststoffmöbeln die Designgeschichte: Heute sind Kartell-Objekte in mehr als 50 Museumssammlungen weltweit vertreten. Was damals als gewagtes Experiment galt, ist heute Designlegende. Giulio Castelli, Chemieingenieur und Schüler des Nobelpreisträgers Giulio Natta, wollte Kunststoff vom Mauerblümchen-Material zum echten Designträger machen. Angefangen mit einem schnöden Skiständer, landeten Kartell-Stücke in den 1960er und 1970er Jahren auf der ganzen Welt in Wohnzimmern und Museen. Für dich als Designfan bedeutet das: Hinter jedem bunten Stuhl steckt eine Geschichte, die zeigt, wie mutige Materialwahl ganze Designbewegungen auslösen kann.
Kartell und die Kunststoff-Revolution: Wie ein Mailänder Start-up 1949 das Möbeldesign neu erfand
Giulio Castelli, Chemieingenieur und Schüler des Nobelpreisträgers Giulio Natta, gründete Kartell 1949 in Noviglio bei Mailand mit einer einzigen Überzeugung: Kunststoff kann schön sein. Was damals als mutiges Experiment galt, ist heute in mehr als 50 Museumssammlungen weltweit vertreten.
Der Leitfakt: Plastik als ernstzunehmendes Designmaterial
Als Kartell seine Arbeit aufnahm, war Kunststoff in der öffentlichen Wahrnehmung ein Material zweiter Klasse. Es galt als minderwertiger Ersatz für Holz, Glas und Metall. Castelli und seine Frau Anna Castelli Ferrieri wollten genau dieses Bild korrigieren. Ihr erster Schritt war denkbar unspektakulär: ein Skiständer. Doch dahinter steckte ein klares Programm. Kartell übernahm Verarbeitungstechnologien aus anderen Industriezweigen und wandte sie konsequent auf Haushaltsobjekte und Möbel an. Das Ergebnis waren Produkte, die Farbe, Formgebung und Material als eigenständige Gestaltungsmittel einsetzten, anstatt etablierte Werkstoffe zu imitieren.
In den 1960er Jahren arbeitete das Unternehmen mit Designern wie Gino Colombini, Joe Colombo und später Philippe Starck zusammen. Starck entwarf 1999 den Stuhl “La Marie”, den ersten einteilig aus Polycarbonat gespritzten transparenten Stuhl der Welt. Daraus entwickelte sich der heute bekannte Ghost Chair. Alle Produkte werden bis heute ausschließlich in Italien gefertigt, obwohl die USA lange Zeit der größte Absatzmarkt waren.
Was das für dich bedeutet: 4 praktische Einordnungen
1. Designgeschichte hat immer auch eine Materialgeschichte Kartells Weg zeigt: Wer verstehen will, warum ein Stuhl oder ein Regal so aussieht, wie es aussieht, muss das Material kennen. Kunststoff erlaubte Formen, die mit Holz schlicht nicht möglich waren. Geschwungene Schalen, transluzente Flächen, kräftige Farben ohne Anstrich. Das veränderte nicht nur die Ästhetik, sondern auch den Preis und die Zugänglichkeit von gutem Design.
2. “Made in Italy” war in den 1960ern kein Marketing, sondern ein Programm Kartell wuchs parallel zum internationalen Aufstieg des Begriffs “Made in Italy”. Wer heute Vintage-Möbel aus dieser Periode sammelt oder restauriert, kauft in ein industrielles wie kulturelles Kapitel ein. Herkunft und Fertigungstiefe sind bei diesen Stücken dokumentierbar.
3. Kollaborationen prägen Sammlerwert Die langfristigen Zusammenarbeiten mit Antonio Citterio, Vico Magistretti, Ron Arad, Marcel Wanders und Philippe Starck machen einzelne Kartell-Objekte heute zu gesuchten Sammlerstücken. Wer ein Stück einem bestimmten Designer zuordnen kann, hat einen klaren Vorteil beim Kauf oder Verkauf.
4. Designsprache der 1960er lebt weiter Die klaren Formen, Primärfarben und skulpturalen Qualitäten der Kartell-Ära tauchen bis heute in zeitgenössischem Interieur auf. Wer diesen Look liebt, findet ihn auch in der Bildsprache des Bauhaus oder der Pop-Art wieder. Ein Bauhaus-Poster oder ein Bauhaus Hexagon-Wandbild passt ästhetisch hervorragend in ein Interieur mit Kunststoffmöbeln aus dieser Periode. Wer die Pop-Art-Linie bevorzugt, findet mit einem Pop-Art-Kissen oder einem Retro-Kissen im Manga-Pop-Art-Stil passende Ergänzungen. Mehr Auswahl gibt es im reetro-Shop.
Zeitleiste: Kartell 1949 bis 1970
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1949 | Gründung in Noviglio bei Mailand durch Giulio Castelli |
| 1950er | Erste Haushaltsobjekte, darunter ein Skiständer; Zusammenarbeit mit Gino Colombini |
| 1960er | Internationale Anerkennung; Kooperationen mit Joe Colombo und Anna Castelli Ferrieri |
| 1970er | Weltweite Bekanntheit; Kunststoff gilt nun als eigenständiges Designmaterial |
Quellen
- Kartell – furnishing manufacturer (1949) – designindex.org
- Kartell: Italian Furniture and Plastic Design History – encyclopedia.design
- Kartell: bringing innovation home since 1949 – designwanted.com
Häufige Fragen
Wer hat Kartell gegründet und was war die ursprüngliche Vision dahinter?
Kartell wurde 1949 in Noviglio bei Mailand von Giulio Castelli gegründet, einem Chemieingenieur, der bei dem Nobelpreisträger für Chemie, Giulio Natta, studiert hatte. Seine Idee war so simpel wie revolutionär: Kunststoff, damals als billiges Material ohne Prestige abgetan, in echtes Designmöbel zu verwandeln. Gemeinsam mit seiner Frau Anna Castelli Ferrieri wollte er leichte, alltagstaugliche Objekte schaffen, die Technologie und Design verbinden.
Warum galt Kunststoff in den 1950er und 1960er Jahren als problematisches Material für Möbel?
Kunststoff hatte damals einen schlechten Ruf. Er galt als minderwertige Alternative zu edleren Materialien wie Holz oder Glas und wurde kaum mit Qualität oder Ästhetik in Verbindung gebracht. Kartells eigentliche Leistung war es, genau diese Wahrnehmung zu kippen, durch konsequente Investitionen in Technologie und Designprojekte sowie durch die Zusammenarbeit mit renommierten Gestaltern.
Was hat Kartell in Sachen Produktionstechnologie so besonders gemacht?
Kartell nutzte Verarbeitungstechnologien, die bis dahin anderen Industriezweigen vorbehalten waren, und übertrug sie erstmals auf Möbel und Haushaltsobjekte. Alle Produkte wurden und werden vollständig in Italien gefertigt. Dieser Ansatz ermöglichte Formen und Farben, die mit traditionellen Materialien schlicht nicht realisierbar gewesen wären.
Welche Designer haben Kartell in der Zeit von 1949 bis 1970 geprägt?
In den frühen Jahrzehnten waren vor allem Gino Colombini und Joe Colombo entscheidende Gestalter für Kartell. Anna Castelli Ferrieri, Mitgründerin und Designerin in einem, prägte die Marke ebenfalls stark. Ihre Arbeit zeigte, dass Kunststoff nicht Ersatz, sondern ein eigenständiges Material mit eigenen ästhetischen Qualitäten wie Farbe, Transparenz und Formbarkeit sein kann.
Wie erfolgreich war Kartell bis Ende der 1970er Jahre wirklich?
Kartell erlangte in den 1970er Jahren internationale Bekanntheit und Anerkennung, parallel zum globalen Aufstieg des ‘Made in Italy’-Labels. Heute sind Kartell-Stücke in mehr als 50 Museumssammlungen weltweit vertreten. Der größte Absatzmarkt des Unternehmens sind die USA, obwohl Kartell eine durch und durch italienische Marke geblieben ist.
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