Dieter Rams prägte als Braun-Chefdesigner von 1961 bis 1995 über 30 Jahre lang das Produktdesign der deutschen Kultmarke und legte damit den Grundstein für bis heute gesuchte Sammlerstücke wie die Elektrorasierer der Braun-Ära 1962 bis 1980. Wenn du heute einen Braun-Rasierer aus den 1960er oder 1970er Jahren in der Hand hältst, hältst du ein Stück Designgeschichte. Rams’ Philosophie “Weniger, aber besser” war damals radikal und ist es bis heute geblieben. Wer die Sammlerwelt rund um diese Geräte verstehen will, muss wissen: Hier wurde nicht nur rasiert, sondern eine visuelle Sprache erfunden, die das gesamte 20. Jahrhundert geprägt hat und die Gestaltung moderner Alltagsprodukte bis in die Gegenwart beeinflusst.
Braun Elektrorasierer: Wie Dieter Rams das Alltagsgerät zum Designklassiker machte
Mehr als dreißig Jahre lang prägte ein einziger Mann das Gesicht eines der wichtigsten deutschen Konsumgüterherstellers: Dieter Rams, geboren am 20. Mai 1932 in Wiesbaden, war von 1961 bis 1995 Chefdesigner bei Braun. Was er dort schuf, gilt bis heute als Referenzpunkt für funktionales Industriedesign. Darunter auch die Elektrorasierer jener Ära, die Sammler heute als Objekte mit echtem Kultstatus behandeln.
Der Mann hinter dem Gerät
Rams studierte ursprünglich Architektur an der Handwerker Kunstgewerbe Schule in Wiesbaden, schloss 1953 ab und verbrachte zwischendurch drei Jahre als Tischlergeselle. Diese handwerkliche Erdung spürte man später in jedem Produkt. Sein Leitsatz “Simplicity is the key to excellence!” war kein Marketingslogan, sondern gelebtes Konstruktionsprinzip.
In einer Rede vor dem Braun-Aufsichtsrat 1980 brachte er seine Haltung auf den Punkt: “Ich denke, dass gute Designer immer Avantgardisten sein müssen, immer einen Schritt voraus. Sie sollten und müssen alles in Frage stellen, was gemeinhin als selbstverständlich gilt.” Genau dieser Impuls steckt in jedem Braun-Rasierer aus den Sechziger- und Siebzigerjahren.
Braun selbst hat eine längere Geschichte: Max Braun gründete das Unternehmen 1921 als kleinen Haushaltsgeräteladen in Frankfurt. Nach den fast vollständigen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs baute er die Firma ab 1944 wieder auf. In der Nachkriegszeit entschieden seine Söhne Erwin und Artur, Design und Ingenieurskunst auf höchstem Niveau zu verbinden. Dafür holten sie Absolventen der Ulmer Hochschule für Gestaltung, des Nachfolgers des Bauhauses.
Was die Rasierer aus dieser Ära so besonders macht
Rams entwickelte bei Braun eine visuelle Sprache, die er selbst als “refined, concise and legible” beschrieb: klar ablesbar, auf das Wesentliche reduziert, ohne Ornament. Die Elektrorasierer zwischen 1962 und 1980 verkörpern diese Haltung wie kaum ein anderes Produktsegment.
- Griffe lagen wirklich in der Hand. Ergonomie war kein Trend, sondern Ausgangspunkt. Rams’ Grundsatz “Weniger, aber besser” bedeutete: Nichts am Gerät, das nicht funktioniert.
- Farbe war Information, kein Dekor. Grautöne, klare Kontraste, bewusst gesetzte Akzente. Ein Braun-Rasierer aus den Siebzigern ist auf den ersten Blick als Braun-Rasierer erkennbar.
- Materialien altern würdevoll. Viele Geräte dieser Jahrzehnte laufen nach entsprechender Pflege noch heute. Das macht sie für Sammler attraktiv und erklärt die stabilen Preise auf dem Vintage-Markt.
4 praktische Hinweise für Verbraucher und Sammler
1. Originalzustand prüft man am Schalter. Bei vielen Braun-Rasierern dieser Ära sitzt der Schiebeschalter an einer klar definierten Position. Nachgemachte Ersatzteile passen oft nicht bündig. Wer ein Vintage-Gerät kauft, sollte Schalterfunktion und Spaltmaße genau kontrollieren.
2. Ersatzteile existieren noch, aber die Verfügbarkeit nimmt ab. Für die populärsten Modelle aus den Sechziger- und Siebzigerjahren gibt es noch Scherkopf-Ersatz bei spezialisierten Händlern. Wer ein Gerät langfristig nutzen will, legt sich besser einen Vorrat an, solange der Markt das hergibt.
3. Lagerung ist entscheidend. Kunststoffteile aus dieser Zeit reagieren empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung und extreme Temperaturschwankungen. Sammler bewahren Braun-Rasierer am besten in stabilen Umgebungen auf, ähnlich wie andere hochwertige Vintage-Elektronik.
4. Rams’ Designprinzipien helfen beim Echtheitsscheck. Wer die zehn Prinzipien guten Designs kennt, hat ein mentales Werkzeug in der Hand: Ist das Gerät ehrlich in seinen Materialien? Ist es langlebig konstruiert? Originalgeräte erfüllen diese Kriterien spürbar. Auffällige Verzierungen oder unklare Bedienelemente sind ein Warnsignal.
Sammlerkultur: Vom Gebrauchsgegenstand zum Ausstellungsstück
Das Interesse an Braun-Geräten aus der Rams-Ära ist kein Zufall. Rams selbst beeinflusste, wie wir Technologie wahrnehmen und kaufen. Wann immer das Äußere eines Geräts unsere Kaufentscheidung beeinflusst, ist das laut dem britischen Designblog Pixart Printing auf Braun und Rams zurückzuführen.
Die Sammlerszene für Braun-Rasierer aus dem Zeitraum 1962 bis 1980 ist international aufgestellt. Auf Auktionsplattformen und in spezialisierten Foren tauschen sich Enthusiasten über Modellvarianten, Produktionsjahre und Erhaltungszustand aus. Gut erhaltene Exemplare erzielen dabei Preise, die weit über dem ursprünglichen Verkaufswert liegen.
Wer sich für das visuelle Erbe dieser Designperiode begeistert, findet bei reetro auch analoge Vintage-Ästhetik zum Einrahmen: etwa das Bauhaus Ausstellung Poster oder das Bauhaus Werbeplakat, die denselben Designgeist atmen wie die Braun-Geräte jener Jahre. Passend dazu: das Deko-Kissen im Bauhaus-Stil als gestalterisches Statement im Wohnraum.
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Quellen
- Dieter Rams: Celebrating the genius with 10 products for 10 commandments of design (Stirworld)
- Dieter Rams (Wikipedia)
- Honesty, consistency and precision: Braun under Dieter Rams (Pixart Printing Blog)
Häufige Fragen
Wer war Dieter Rams und was hat er mit Braun-Elektrorasierern zu tun?
Dieter Rams, geboren am 20. Mai 1932 in Wiesbaden, ist einer der einflussreichsten Industriedesigner des 20. Jahrhunderts. Ab 1961 war er Head of Design bei Braun und blieb es bis 1995, also über 30 Jahre lang. In dieser Zeit prägte er die visuelle Sprache aller Braun-Produkte, darunter auch die Elektrorasierer: reduziert, funktional, ehrlich. Sein Credo ‘Weniger, aber besser’ steckt in jedem Gerät aus dieser Ära.
Was macht die Braun-Rasierer aus den Jahren 1962 bis 1980 so besonders für Sammler?
Braun kombinierte unter Rams konsequent hochwertiges Design mit Ingenieurskunst und innovativen Materialien, unter anderem in enger Zusammenarbeit mit der Ulmer Hochschule für Gestaltung, dem Nachfolger des Bauhauses. Die Rasierer aus dieser Ära sind handwerklich präzise, in der Form zeitlos und in ihrer Schlichtheit radikal. Für Vintage-Fans sind sie lebendige Designgeschichte, keine bloßen Gebrauchsgegenstände.
Nach welchen Prinzipien hat Rams die Braun-Rasierer dieser Zeit gestaltet?
Rams entwickelte bei Braun eine ‘refined, concise and legible visual language’, also eine klare, lesbare Formensprache ohne überflüssige Ornamente. Sein bekanntester Leitgedanke: ‘Simplicity is the key to excellence.’ Dazu kamen seine zehn Prinzipien des guten Designs, die bis heute als Maßstab in der Designwelt gelten. Für ihn musste Design immer einen Schritt voraus sein, und genau das spürt man an den Rasierern dieser Periode.
Hat Dieter Rams' Designphilosophie nur Braun beeinflusst, oder reicht der Einfluss weiter?
Weit darüber hinaus. Rams’ Haltung, dass ‘Gleichgültigkeit gegenüber Menschen und der Realität, in der sie leben, die einzige wahre Sünde im Design ist’, hat das internationale Produktdesign des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt. Seine Arbeit beeinflusste Ästhetik und Designpraxis weltweit. Wer heute ein gut gestaltetes Alltagsgerät in den Händen hält, spürt oft, ohne es zu wissen, seinen Einfluss.
Welche Auszeichnungen belegen den Stellenwert von Dieter Rams in der Designwelt?
Rams wurde 2002 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. 2013 erhielt er die Lifetime Achievement Medal des London Design Festival, und 2014 den Compasso d’Oro Career Award der ADI Mailand. Preise, die zeigen: Was er zwischen 1962 und 1980 bei Braun geschaffen hat, ist längst Designkanon.
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