A.M. Cassandre schuf zwischen 1923 und 1935 mindestens fünf ikonische Art-Déco-Plakate, gewann 1925 den ersten Preis auf der Pariser Exposition des Arts Décoratifs und 1937 den Grand Prix, und definierte damit die visuelle Sprache des modernen französischen Werbeplakats. Cassandre zeigte, dass Werbegrafik echte Kunst sein kann. Seine Plakate für Nord Express (1927) und die SS Normandie (1935) brachten Kubismus und Geometrie direkt auf die Straße. Wer Sneaker-Kultur liebt, kennt dieses Prinzip: starkes Design macht ein Objekt zeitlos. Cassandres Arbeit steckt bis heute in Logos, Schriften und Bildsprachen, die uns täglich begegnen.
A.M. Cassandre: Wie ein Plakatkünstler das Art Déco auf die Straße brachte
Zwischen 1923 und 1935 veränderte ein einziger Grafiker das Gesicht der europäischen Werbung grundlegend. Adolphe Jean-Marie Mouron, der unter dem Pseudonym Cassandre arbeitete, schuf Plakate, die das Art Déco aus den Salons direkt in den Alltag trugen.
Wer war Cassandre?
Cassandre wurde am 24. Januar 1901 in Charkiw (damals Russisches Reich) als Sohn eines französischen Weinhändlers geboren. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte die Familie nach Paris zurück. Dort studierte er an der École des Beaux-Arts und der Académie Julian. Bereits 1923 arbeitete er unter seinem Pseudonym kommerziell, das er zeitlebens beibehielt.
Sein erstes großes Plakat, Au Bûcheron (1923), sorgte sofort für Aufmerksamkeit. Es folgten Arbeiten, die heute als Ikonen gelten: Étoile du Nord (1927), Nord Express (1927), die serielle Dubonnet-Kampagne (1932) und schließlich das Plakat für den Ozeandampfer SS Normandie (1935).
1926 gründete er gemeinsam mit Maurice Moyrand die Alliance Graphique, eine der ersten modernen Werbeagenturen Frankreichs. Für die Pariser Ausstellung 1925 gewann er den ersten Preis für Grafikdesign, 1937 erhielt er bei der Exposition Internationale einen Grand Prix.
Geometrie trifft Geschwindigkeit: Die technische Innovation
Was Cassandres Arbeit von der Plakatmalerei seiner Zeit abhob, war die konsequente Verbindung von kubistischen Bildstrukturen, klaren geometrischen Formen und einer Farbsprache, die auch auf Distanz wirkte. Seine Zugplakate etwa zeigten Lokomotiven frontal und nahezu abstrakt, was das Gefühl von Tempo und industrieller Kraft unmittelbar vermittelte.
Parallel zur Plakatarbeit entwarf er Schrifttypen für die Pariser Schriftgießerei Deberny & Peignot: Bifur (1929), Acier Noir (1935) und Peignot (1937). Diese Typen beeinflussten die Grafikdesign-Praxis weit über seine eigene Karriere hinaus.
Ab 1939 wandte er sich überwiegend dem Bühnendesign zu und arbeitete unter anderem für die Comédie-Française und die Opéra de Paris. Er starb am 19. Juni 1968 in Paris.
Was das für dich bedeutet: 4 praktische Implikationen
1. Vintage-Poster sind kein Zufallskauf, sondern Stilentscheidungen. Cassandres Plakate zeigen, dass kommerzielle Grafik und hohe Kunst keine Gegensätze sind. Wer heute ein Reiseplakat oder ein Werbeplakat aus der Art-Déco-Ära an die Wand hängt, setzt ein bewusstes gestalterisches Statement. Im reetro Poster-Shop findest du Motive, die genau diese Ästhetik aufgreifen, zum Beispiel das Retro Reiseposter Hong Kong oder das Acapulco Retro Reiseposter.
2. Die Bildsprache funktioniert bis heute. Geometrie, klare Farbflächen, starke Kontraste: Das sind keine Modeerscheinungen, sondern Prinzipien, die Cassandre systematisch entwickelt hat. Designs im Bauhaus- oder Art-Déco-Stil halten sich deshalb in Wohnräumen besonders gut, weil sie nicht überfordern. Das Bauhaus Ausstellung Poster oder das Bauhaus Sonne Poster zeigen, wie nah diese Verwandtschaft noch heute ist.
3. Reisemotive haben eine eigene Designgeschichte. Cassandres Dampfschiff- und Zugreiseplakate waren keine harmlosen Tourismuswerbung, sondern Bilder einer neuen, mobilen Moderne. Dieses Erbe lebt in Stadtplan-Postern und Reisemotiven weiter. Schau dir zum Beispiel den Stadtplan Paris Poster oder den Stadtplan Berlin Poster an.
4. Typo als Designelement ernst nehmen. Cassandres Schrifttypen wie Bifur und Peignot waren keine Begleittexte, sondern integraler Bestandteil des Bildes. Wer Wanddekoration auswählt, sollte Typografie mit ähnlichem Respekt behandeln: als Form, nicht nur als Information. Das London Underground Werbeplakat oder das Zenith Uhren Werbeplakat machen diesen Ansatz sichtbar.
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Quellen
- Cassandre | Art Deco, Advertising, Posters | Britannica
- A.M. Cassandre – The Graphic Design School
- Cassandre’s posters helped art deco to “elbow its way in” | Dezeen
Häufige Fragen
Wer war A.M. Cassandre eigentlich, und warum arbeitete er unter einem Pseudonym?
Cassandre war der Künstlername von Adolphe-Jean-Marie Mouron, geboren 1901 in Kharkiv (damals Russisches Reich) als Sohn eines französischen Weinhändlers. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog die Familie nach Paris. Er studierte an der École des Beaux-Arts und der Académie Julian. Ab 1923 arbeitete er unter dem Pseudonym Cassandre, das er bis zu seinem Tod 1968 behielt. Den bürgerlichen Namen legte er bewusst ab, um sich als eigenständige kreative Stimme im Pariser Werbemarkt zu positionieren.
Welche Plakate haben Cassandres Ruf in den 1920er und 1930er Jahren begründet?
Schon sein erstes kommerzielles Plakat Au Bûcheron (1923) erregte sofort Aufmerksamkeit. In den folgenden Jahren entwarf er eine Reihe von Reise- und Produktplakaten, die den visuellen Stil des französischen Art Déco prägten: Étoile du Nord (1927), Nord Express (1927), die serielle Dubonnet-Kampagne (1932) sowie das Plakat für den Ozeandampfer SS Normandie (1935). Letzteres zählt bis heute zu seinen bekanntesten Arbeiten. Die Pariser Exposition Internationale 1937 zeichnete ihn mit dem Grand Prix aus.
Was machte Cassandres Plakatstil technisch und gestalterisch so besonders?
Cassandre verband Art-Déco-Formensprache mit Einflüssen des Kubismus zu einer klaren, geometrischen Bildsprache, die auf Fernwirkung im Stadtraum ausgelegt war. Er nutzte starke Perspektiven und reduzierte Farbflächen, um Motive wie Züge oder Ozeandampfer monumental wirken zu lassen. Sein Plakat für den Nord Express (1927) zeigt etwa eine kubistisch inspirierte Frontalansicht der Lokomotive. Diese Kombination aus Präzision und visueller Wucht hob Werbeplakate erstmals auf das Niveau eigenständiger Kunstwerke.
Hat Cassandre neben Plakaten auch andere Designbereiche beeinflusst?
Ja. Cassandre entwarf auch Schriftarten, darunter Bifur (1929), Acier Noir (1935) und Peignot (1937), alle produziert für die Pariser Schriftgießerei Deberny & Peignot. 1926 gründete er gemeinsam mit Maurice Moyrand die Alliance Graphique, eine der ersten modernen Werbeagenturen Frankreichs. Später wandte er sich dem Bühnendesign zu, arbeitete unter anderem für die Comédie-Française und die Opéra. Auch das bis heute bekannte verschlungene YSL-Logo für Yves Saint Laurent stammt von ihm.
Welche Rolle spielte Cassandre bei der Verbreitung des Art Déco im Alltag?
Cassandre trug maßgeblich dazu bei, Art Déco aus den Galerien in den öffentlichen Stadtraum zu bringen. Er sah das Plakat nicht als reines Werbemittel, sondern als Format, das das Stadtbild aktiv gestalten kann. Mit Werken wie dem Normandie-Plakat oder der Dubonnet-Kampagne wurde der Stil für ein breites Publikum sichtbar und erfahrbar. Die Internationale Ausstellung für Dekorative und Industrielle Künste in Paris 1925, bei der er den ersten Preis für Grafikdesign gewann, machte ihn endgültig zu einem der zentralen Gesichter der Bewegung.