Oskar Schlemmer entwickelte zwischen 1919 und 1923 rund 12 Reliefs, zwei Rundskulpturen und 20 Figurinen für das Triadische Ballett, die das geometrische Formenrepertoire des Bauhauses als lebendige Designsprache etablierten. Wer heute Sneaker-Silhouetten, Schuhboxen oder Kampagnen-Grafiken mit klaren Linien und geometrischen Körpern entwirft, arbeitet mit einer Sprache, die Schlemmer vor gut 100 Jahren am Bauhaus codiert hat. Sein Ansatz, den menschlichen Körper in Zylinder, Kugeln und Kegelformen zu übersetzen und damit gleichzeitig Präzision und Bewegung sichtbar zu machen, wirkt bis heute in der visuellen Kultur weiter. Für dich als Designinteressierte:r lohnt sich ein Blick auf diese Wurzeln, weil sie zeigen, wie aus handwerklichem Experiment eine bis heute gültige Formenlogik entstand.
Oskar Schlemmer und das Bauhaus-Plakat: Geometrie und Bewegung als Designsprache 1923 bis 1933
Der Leitfakt vorab: Oskar Schlemmer (1888 bis 1943) übernahm 1923 die Stelle als Master of Form an der Bauhaus-Theaterwerkstatt in Weimar. Genau in diesem Jahr entstand auch sein bekanntestes Werk, das Triadische Ballett, in dem kostümierte Tänzerinnen und Tänzer zu geometrischen Formen wurden. Was Schlemmer damals als “party of form and colour” beschrieb, war zugleich das visuelle Programm einer ganzen Designepoche.
Geometrie statt Ornament: Was das Bauhaus wirklich wollte
Das Bauhaus war kein Stilmerkmal, es war eine Haltung. Schlemmer formulierte es selbst: Wer Maschine, Technologie und Präzision liebt, der lehnt Chaos ab und sucht nach einer Form, die zur eigenen Zeit passt. Diese Idee zog sich durch seine gesamte Arbeit, von der Skulptur bis zum Bühnenplakat.
Den Großteil seiner Skulpturen schuf Schlemmer zwischen 1919 und 1923. Karin von Maur dokumentiert in ihrem Buch Oskar Schlemmer Sculpture (Harry N. Abrams, Inc., New York) rund 12 Reliefs, zwei Rundskulpturen sowie die 20 Figurinen des Triadischen Balletts aus diesem Zeitraum. Hinzu kam ein Wandbild, halb Malerei, halb Skulptur, für das Werkstattgebäude des Weimarer Bauhauses. Schlemmer bewegte sich also von Anfang an zwischen den Disziplinen und machte diese Grenzüberschreitung zum Prinzip.
Bauhaus-Plakate aus dieser Ära folgten denselben Regeln: klare Flächen, starke Primärfarben, Typografie als gestalterisches Element, der menschliche Körper als geometrische Chiffre. Das war kein Zufall, sondern Programm einer Schule, die Kunst und Handwerk als untrennbar verstand.
4 praktische Implikationen für dich als Wohnraum-Gestalter
1. Weniger ist tatsächlich mehr, wenn die Form stimmt. Schlemmer reduzierte den Körper auf Kreis, Dreieck und Rechteck und gewann dabei an Ausdruckskraft. Das lässt sich direkt auf die Wandgestaltung übertragen: Ein einziges, formal starkes Poster braucht keine Gesellschaft. Das Bauhaus-Ausstellungsposter oder das Bauhaus-Werbeplakat Kunsthochschule setzen genau auf dieses Prinzip und funktionieren als Einzelstück genauso wie als Ensemble.
2. Geometrie braucht den richtigen Träger. Die Bauhaus-Formensprache lebt von präzisen Kanten und kontrastreichen Flächen. Auf Leinwand wirkt sie weich und malerisch, auf Papier oder Alu scharf und grafisch. Das Bauhaus Hexagon-Bild nutzt die sechseckige Form selbst als gestalterisches Mittel und macht damit das Trägerformat zum Teil der Aussage. Wenn du lieber die klassische Variante magst, schau auch ins Poster-Sortiment.
3. Das Bauhaus-Kissen als Farb-Anker im Raum. Schlemmer arbeitete mit Primärfarben als Trägern von Bedeutung, Rot, Gelb, Blau wurden zu einer Grammatik des Sehens. Das Deko-Kissen im Bauhaus-Stil übersetzt genau das in ein alltagstaugliches Format. Wer den Look weiterdenken möchte, findet im Kissen-Shop geometrische Muster wie das Dekokissen Monochrom 3D-Würfelmuster oder das Retro-Kissen im abstrakten Stil, die denselben Formgeist atmen.
4. Bewegung als Designprinzip ins Wohnzimmer holen. Das Triadische Ballett war kinetische Skulptur. Die Figurinen bewegten sich, die Form veränderte sich mit dem Blickwinkel. Diesen Effekt kannst du mit wechselnden Formaten im Raum erzeugen: Kombiniere ein großes Wandbild mit kleineren Objekten in ähnlicher Farbsprache. Das Bauhaus-Sonnenposter und das Kandinsky-Poster in Gelb, Blau, Rot erzeugen zusammen genau diese optische Spannung, die Schlemmer auf der Bühne inszenierte.
Quellen
- The Bauhaus style of Oskar Schlemmer, ArtWizard, 10.02.2020
- Oskar Schlemmer Sculpture, Artforum (Karin von Maur, Harry N. Abrams, Inc., New York)
- Object Checklist: History of the Bauhaus, Getty Research Institute
Häufige Fragen
Wer war Oskar Schlemmer und was hat er mit dem Bauhaus zu tun?
Oskar Schlemmer wurde 1888 in Stuttgart geboren und war Maler, Bildhauer, Designer und Choreograf. 1923 holte ihn das Bauhaus als Formmeister in die Theaterwerkstatt, nachdem er zuvor schon in der Bildhauerwerkstatt tätig war. Er gehört damit zu den zentralen Figuren dieser legendären Schule, die Kunst, Handwerk und Technologie unter einem Dach vereinte.
Was meinte Schlemmer, wenn er von 'der Form unserer Zeit' sprach?
Schlemmer formulierte es selbst so: Die Kunst seiner Zeit liebte Maschine, Technologie und Organisation, strebte nach Präzision und lehnte alles Vage und Verträumte ab. Für ihn war das kein kalter Mechanismus, sondern ein bewusstes Aufbegehren gegen das Chaos und die Suche nach einer Formensprache, die wirklich zur Gegenwart passte. Diese Haltung zog sich wie ein roter Faden durch seine Plakate, Bühnenbilder und Skulpturen.
Was steckt hinter dem Triadischen Ballett, das auf so vielen Bauhaus-Plakaten auftaucht?
Das Triadische Ballett von 1923 ist Schlemmers bekanntestes Werk. Kostümierte Tänzerinnen und Tänzer wurden darin zu geometrischen Figuren verwandelt, der menschliche Körper also konsequent in Kreise, Zylinder und Kugeln übersetzt. Schlemmer selbst nannte es ein ‘Fest der Form und Farbe’. Die 20 Figurinen des Balletts gelten kunsthistorisch sogar als kinetische Skulpturen, weil sie sich im Raum bewegten und so Skulptur und Performance zusammendachten.
Wie viele Skulpturen hat Schlemmer in seiner Bauhaus-Zeit überhaupt geschaffen?
Der Großteil seiner bildhauerischen Arbeit entstand zwischen 1919 und 1923, also in nur vier Jahren. In dieser Zeit schuf er etwa 12 Reliefs und zwei Rundskulpturen, dazu eine Reihe von Vorzeichnungen für Werke, die nie realisiert wurden. Hinzu kommen das Wandbild am Werkstattgebäude des Weimarer Bauhauses, das halb Malerei, halb Skulptur war, sowie die 20 Figurinen des Triadischen Balletts.
Welche Künstler haben Schlemmers Designsprache beeinflusst?
Schlemmer selbst verwies auf Wilhelm Lehmbruck und Alexander Archipenko als wegweisende Bildhauer sowie auf die Kubisten in der Malerei. Für ihn zeigten genau diese Positionen den Weg zur Architektur, weil sie innerhalb ihrer Werke bauten. Diese Einflüsse sind direkt in seine geometrisch-präzise Formensprache eingeflossen, die das visuelle Erscheinungsbild des Bauhauses bis heute prägt.
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